Warum wir uns trotz Partner oft alleinerziehend fühlen

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Hallo ihr Lieben,

ich möchte ja gar nicht meckern, ich habe einen wirklich wunderbaren Mann.

Es gibt Tage, da könnte ich heulen, ja einfach heulen, weil eben alles so stressig war, weil ich einfach müde bin, weil ich mich einfach nur noch entspannen möchte und das zu Bett bringen der Kinder an ihn abgeben möchte.

Oder ich könnte einfach losheulen, wenn er etwas sucht, ich ihm sage wo es ist, er es trotzdem nicht findet und ich vom geliebten Sofa aufstehen muss und es ihm in die Hand drücken muss. Ich bin gereizt und meckere schnell mit ihm.

An manchen Tagen frage ich mich, wie er wohl alles machen/schaffen und sich anschließend fühlen würde.

Ich habe mir sogar alles schon einmal bildlich ausgemalt – Sean würde das anziehen, was ihm gefällt (es müsste übelst cool sein), ein Jimi Blue Ochsenknecht-Justin Bieber-Macaulay Culkin (Kevin allein zu Haus) Verschnitt.

Lisa würde so lange mit ihm diskutieren, bis sie genug Argumente zusammen hätte um ihre liebsten Kleidungsstücke anzuziehen. Spätestens nach 30 Minuten würde Nico die Niederlage einsehen und sie so zur Schule schicken.
Sie würde uns wahrscheinlich alle an ein rumänisches Straßenkind mit Tütü erinnern.

Natürlich wären beide Kinder gewaschen und hätten sich Zähne geputzt – nach einer Minute gegenseitigem Angezicke würde er um weiteren Stress zu vermeiden auch die Schuhwahl den Kindern überlassen.

Bei winterlichen Temperturen würde Lisa zu Sandalen oder Ballerinas tendieren.

Am Vormittag würde er wahrscheinlich die Küche aufräumen und sich danach aufs Sofa schmeißen oder Pokémons fangen oder eine seiner Lieblingsserien schauen.

Das Mittagessen würde er spontan nach seiner “Hungerlage” wählen – Pizza, Lasagne, Döner oder Currywurst/Pommes würde ihm wohl sofort zur Auswahl einfallen. Nico und Sean würden genüsslich essen und Lisa würde im Essen herumstochern und nach fünf Minten sagen: “Ich bin so satt!”.

Anschließend würden die Kinder Hausaufgaben machen und danach spielen, egal was. Wahrscheinlich etwas mit Geschrei, Rumgepoltere, Gespringe und am Ende mit Geheule, weil sich wieder irgendwer verletzt hat.

Allerdings hätte es nur eine halbe Stunde angehalten, weil die Nachbarn von untern sich schon längst beschwert hätten.

Abendbrotzeit – Jeder bekommt, dass was er mag. Hauptsache es wird gegessen.

Zähne putzen und gegen 22:00 Uhr sollten sie trotzdem schlafen.

Warum sich so denke? Weil ich die Dinge einfach anderes betrachte und mir im Alltag auffällt, was ich anders mache.
Wenn ich ihn bitte durchzusaugen, macht er es gerne, aber meistens sauge ich nach, weil ich auch Ecken kenne und die Bereiche unter dem Sofa oder den Möbeln.

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Ja, manchmal fühle ich mich alleinerziehend. Irgendwie bin es ja auch.

Ich plane die alltäglichen Dinge wie Verabredungen, Aktivitäten, Geburtstage und Termine bei Ärzten ein.
Ich wasche die Wäsche, hänge sie auf, lege sie zusammen und räume sie in die Kleiderschränke, um sie für den nächsten Tag wieder heraus zu legen. Ich räume die Zimmer auf, sauge, wische, rufe den Kindern zu, dass sie ihre Brotdosen wieder mitbringen sollen, räume den Geschirrspüler ein und wieder aus, lege die Sachen für die Schule bereit und kontrolliere, ob sie noch alle Materialien haben oder ob ich welche kaufen muss. Ich schaue nach, ob es irgendwelche Briefchen zum Unterschreiben gibt, lege ihnen Geld in Umschläge, wenn sie es am nächsten Tag mitbringen müssen und streiche ihre Brote für die Schule.

Ja, Lisa wird erst Samstag eingeschult, aber ich weiß wie es sein wird.

Ich helfe bei den Hausaufgaben, übe für Tests oder Arbeiten, koche das Mittagessen, behalte stets die Uhr im Auge, damit sie pünktlich zum Sport oder ihren Verabredungen kommen und hoffe Abends einfach nur, dass sie nach dem Waschen und Zähneputzen friedlich und sorglos schlafen und einen schönen Tag hatten.

Man darf erst gar nicht über Reisen oder Geburtstage reden – wir waren vor zwei Wochen an der Ostsee und ich habe es ausprobiert. Nur meine Sachen und die der Kinder gepackt. Nico musste sich tatsächlich eine Badehose kaufen.
Er hat sich auf mich verlassen, auf die Selbstverständlichkeit. ;)

Es ist nicht immer leicht, nein.

Erst recht nicht, wenn man sich an einem Tag erschöpft fühlt und der Mann nach Hause kommt und davon erzählt, dass er sich (wie so oft) Essen bestellt und was auch immer tolles gemacht hat.

Ja, dann fühle ich mich manchmal schlecht, wenn ich an meinen Tag zurück denke und weiß, dass ich mit Sean vielleicht zu streng war und mit ihm geschimpft habe.

Ich weiß, dass es nicht nur mir so geht.
Ich weiß, dass viele von euch, die sich ebenfalls um die Kinder kümmern (egal ob Mann oder Frau), sich auch manchmal so blöd vorkommen und manchmal mehr Verständnis oder Anerkennung vom Partner wünschen.

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Seid stolz auf euch, seid stolz auf eure Rolle und schaut euer Kind oder eure Kinder an und erfreut euch an diesem Lächeln – mir persönlich gibt es sehr viel Kraft und zeigt mir, dass sich diese Fürsorge so sehr lohnt.

Und Nico, ich liebe dich trotzdem! Du bist ein verdammt toller Mann und ich genieße jede Minute mit dir, wenn du zu Hause sein kannst! :) <3

In diesem Sinne wünsche ich euch einen tollen Abend!
Liebe Grüße, Geli

2016-08-05T20:00:05+00:00 05. August 2016|Kategorien: Familie, Leben|Tags: , , |4 Kommentare

4 Kommentare

  1. Sandra Hohenstein 10. August 2016 um 12:58 Uhr - Antworten

    Wo ich nicht konnte wegen dem Kaiserschnitt hat er komplett alles gemacht
    melina weg gebracht Haushalt und Einkauf und ich muss sagen es war top
    also ich würde meinen alles überlassen und weiß das er es schafft

  2. Sandra Hohenstein 10. August 2016 um 11:31 Uhr - Antworten

    Also mein Mann geht 9 Std am Tag arbeiten. Ist selbstverständlich das ich die beiden Mädels und den Haushalt versorge. Seinen Koffer packt er auch alles selber, wenn es mal in den Urlaub geht.
    Am we wenn er Zuhause ist , teilen wir uns immer den Haushalt.
    Wenn es ums Thema essen geht , besprechen wir immer alles.
    Unsere große darf auch alleine bestimmen was sie anziehen möchte schließlich muss sie damit Rum laufen, ein bisschen halte ich die Hand drauf , kommt auf das Wetter an. Aber ansonsten bin ich echt froh meinen Mann zu haben und würde nie daran zweifeln oder den Gedanken daran haben das er mir nicht hilft oder ich mich alleine fühle was Erziehung und Haushalt angeht.

  3. Sascha Perschke 6. August 2016 um 12:23 Uhr - Antworten

    Wow.
    Du hast Dich mit diesem Beitrag selbst übertroffen. Hätte nicht gedacht dass das geht.
    Und obwohl ich ein Mann bin, stimme ich dir 100%ig zu – weil es bei uns genauso ist.
    Wir Männer danken Euch Frauen viel zu selten für das, was ihr tut. Ihr haltet das Universum zusammen und uns Männern den Rücken frei.
    Bei dieser Gelegenheit möchte ich deshalb auch mal meiner Frau danken. Ania, ich liebe Dich!

  4. Diana 5. August 2016 um 21:15 Uhr - Antworten

    Ich kann dich voll und ganz verstehen, mir geht es manchmal genau wie dir. Aber wir wissen ja wofür wir es machen ;) für die kleinen leuchtenden Kinderaugen und das breite Grinsen….

    Und für viele tolle Situationen in denen wir einfach nur Liebe von unseren Kids zurück bekommen. Heute hat mein Sohn mich gefragt ob ich weiß wer sein liebster Superheld ist. Ich wußte es nicht und habe gesagt: “Nein, wer?” und darauf hat er gesagt “DU!”. Was gibt es schöneres als sowas von seinem Kind zu hören.

    Lieben Gruß

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