Unsere Erfahrungen mit der Stiefkind-Adoption (Erfahrungsbericht | Mom & Dad)

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich unsere Erfahrungen mit der Stiefkind-Adoption mit euch teilen und euch damit einen Einblick in den Ablauf geben, falls von euch ebenfalls jemand eine Stiefkind-Adoption anstrebt.

Vorab möchte ich aber sagen, dass das natürlich je nach Bundesland, Stadt und zuständigem Mitarbeiter etwas anders ablaufen kann.

 

Zum Hintergrund

Falls ihr uns schon länger lest wisst ihr, dass ich Sean aus einer früheren Beziehung mitgebracht habe. Ich war damals 17 Jahre jung (2006) und die Beziehung war instabil.

Schnell stellte sich heraus, dass der leibliche Vater und ich nicht länger zusammenbleiben und getrennte Wege gehen werden. Etwa zwei Jahre nach Seans Geburt lernte ich Nico kennen und er wiederum mich mit meinem Kind. Von Anfang an war Sean immer dabei, denn er gehört ja nun mal zu mir. Ein Treffen zu zweit war kaum möglich. Wir merkten ziemlich schnell, dass wir auf einer Wellenlänge sind und er gab mir das Gefühl, dass ich ihm in allen Bereichen vertrauen kann. 2010 wurde unsere Tochter Lisa geboren und wir waren nun zu viert. Nico war inzwischen nicht nur mein Partner, sondern auch zweifacher Vater. Er hat Sean in den Jahren mit viel Liebe großgezogen und seinen Platz als Vater eingenommen.

Man muss dazu sagen, dass Sean eines Tages alleine zu ihm Papa gesagt hat. Seit diesem Zeitpunkt war er sein Papa.

Es dauerte noch eine Weile, bis wir uns entschlossen haben zu heiraten. 2015 war es dann soweit. Wir sagten „Ja“ und Sean nahm, wie auch ich und Lisa, seinen Namen an.

Wir spielten immer häufiger mit dem Gedanken, dass Sean von Nico adoptiert wird. Anfang 2017 festigten wir den Gedanken und es fühlte sich für uns alle gut und richtig an.

 

Die Antragstellung

Ich setzte den leiblichen Vater über unseren Wunsch per WhatsApp in Kenntnis und gab ihm die Möglichkeit Stellung zu beziehen.

Dabei nannte ich Gründe für unseren Wunsch und machte auch deutlich, wie kompliziert es sein würde, wenn wir das ganze eventuell sogar mit Stress verbunden vor Gericht austragen würden. Es dauerte nicht lange und wir bekamen Rückmeldung, dass er damit einverstanden ist.

Ende Juli 2017 hatten wir den gemeinsamen Notar-Termin.

Bei diesem Termin wurden all unsere Daten und auch unser gemeinsamer Lebensabschnitt (gekürzt) erfasst.

Der leibliche Vater und wir wurden mehrfach über die Rechtsfolgen einer Adoption in Kenntnis gesetzt.

Wie zum Beispiel: Sämtliche rechtlichen Verbindungen des Kindes zu seinen leiblichen Verwandten (Eltern, Großeltern, Geschwistern, usw. väterlicherseits) erlöschen. Mit der Adoption gehen alle Rechten und Pflichten aus dem bisherigen Verwandtschaftsverhältnis unter. Es gibt keine Unterhaltspflichten mehr (beidseitig), kein Erbrecht und auch kein Umgangsrecht.

Zum Schluss wurde alles unterschrieben und notariell beglaubigt.

Das Ganze wurde dann an das zuständige Familiengericht weitergeleitet.

Die Notarkosten lagen bei ca. 130,00 Euro und mussten innerhalb 14 Tagen beglichen werden.

 

 

Ein langer Weg…

Nach ca. zwei Wochen meldete sich der zuständige Mitarbeiter der Adoptionsstelle mit einem Schreiben bei uns.
Aufgrund des hohen Aufkommens an Adoptionsverfahren würde es eine Wartezeit von ca. 10 Monaten geben.

Zusätzlich sollten wir einige Dokumente einreichen, die der Gerichtsakte beigefügt werden.

Wir gingen zum Arzt, besorgten Meldebescheinigungen und Nico ließ sich ein erweitertes Führungszeugnis ausstellen.

Das ganze war mit ein wenig Aufwand und ein paar weiteren Kosten verbunden.

Für die beiden ärztlichen Atteste würden 40,00 Euro in Rechnung gestellt. Die beiden Meldebescheinigungen und das Führungszeugnis kosteten zusammen noch einmal 28,00 Euro.

Insgesamt also 68,00 Euro. Ein Betrag der überschaubar ist, man sollte sich aber bewusst sein, dass neben den Notarkosten weitere Kosten auf die Familie zukommen.

Nachdem wir alle Unterlagen reingereicht hatten, warteten wir auf eine Rückmeldung.

 

Die Adoptionsstelle 

Elf Monate nach der Antragsstellung war es dann soweit. Wir fuhren zur Adoptionsstelle.

Ich war so verdammt aufgeregt. Wir führten ein etwa 2,5 Stunden langes Gespräch. Dabei musste ich über die Beziehung zu Seans leiblichem Vater sprechen und Nico und ich über unsere Ehe und die Beziehung zwischen Sean und Nico. Aber auch die Beziehung zwischen den Kindern, denn rechtlich gesehen sind sie „nur“ Halbgeschwister.

Als wir zu Hause ankamen erzählen wir Sean wie alles gelaufen ist, denn auch er war ganz aufgeregt gewesen.
Außerdem stand noch der Hausbesuch an.

Damit Lisa nicht total überrumpelt wird, sprachen wir über diesen besonderen Tag und erklärten ihr, dass Mama mal mit einem anderen Mann zusammen war und dieser Mann eigentlich Seans Vater ist.

Sie war verunsichert und hinterfragt vieles. Dabei gab sie uns zu verstehen, dass sie Angst hat, dass Sean nicht mehr ihr Bruder sein wird, sollte die Adoption abgelehnt werden. Wir erklären ihr, dass Sean natürlich für immer ihr Bruder bleiben wird.

 

Der Hausbesuch 

Bei dem Hausbesuch erklärte Herr H. den Kindern warum er uns besucht. Dabei stellte er fragen und die Kinder antworteten ihm.
Eine Frage war zum Beispiel: “Sean, was bedeutet die Adoption für dich?”
Sean antwortet ganz ruhig: „Ich möchte, dass mein Vater, mein Vater wird und für immer die Verantwortung für mich übernimmt.“

Nach diesem Gespräch ging er mit uns durchs Haus und notierte sich die Wohnfläche, die Anzahl der Zimmer und sicherlich auch noch andere Dinge. Zudem interessierte ihn auch, welche Schulen die Kinder besuchen und wie die Infrastruktur ist.

Anschließend spielten die Kinder und wir führten ein weiters Gespräch.
Dabei ging es um die finanzielle Lage, welche Einnahmen und Ausgaben es gibt und ob Schulden bestehen.
Ich denke, dass damit geprüft werden soll, ob Nico überhaupt in der Lage ist, ein weiteres Kind zu finanzieren.
Außerdem gingen wir noch auf die Erziehung ein und er erklärte uns wie es nach dem Termin weitergeht.

 

Warten und Tee trinken 

Der Hausbesuch ist nun zwei Monate her nun wir warten mittlerweile auf ein Schreiben vom Familiengericht, in dem wir einen Termin bekommen, damit sich die zuständige Richtern ein Bild von uns machen kann und die letzte Entscheidung trifft.
Es bleibt also weiterhin spannend und wir können diesen Tag ehrlich gesagt kaum abwarten.

 

Ich hoffe sehr, dass ich euch durch unseren Erfahrungsbericht einen kleinen Einblick in die Stiefkind-Adoption gewähren konnte.

Gibt es unter euch auch Patchwork-Familien, die eine Adoption anstreben oder sogar bereits ein Stiefkind adoptiert haben?

Falls ihr weitere Fragen zum Thema haben solltet, könnt ihr natürlich auch gern schreiben (wenn es vertraulicher sein soll auch per Mail).

 

 

 

2018-10-05T08:04:55+00:0004. Oktober 2018|Kategorien: FAMILY LIFE, Mom & Dad|Tags: , , , , |2 Kommentare

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BubundMädel

Wow! Das ist ja gar nicht so einfach!
ich dachte eigentlich, dass man das Stiefkind einfach adoptieren kann, wenn die leiblichen Eltern (mutter oder vater) damit einverstanden sind. Toll dass ihr diesen Weg gemeinsam geht!

GlG

LuLa

Hallo Geli,hallo Nico,
danke für den Bericht.
Ich finde das so toll und mutig von dir!
Ich finde es aber auch schade dass sich der Vater nicht sorgt. Euer sean scheint ein toller junge zu sein.