Heute starten wir mit der neuen Reihe: Interview mit….

Heute zu Gast: Tamás, von „Tamás Bradford Teaching

Lieber Tamás,
erst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für die Fragen nimmst.

Wer bist du und was machst du?
Hallo, Ich bin Tamás, oder einfach Tommy. Ich arbeite als freiberuflicher Englischlehrer. Es ist nicht nur mein Job, sondern auch meine Leidenschaft. Ich bin auch Vater von 3 Kleinkindern. Ich komme ursprünglich aus Großbritannien, aber die Hälfte meiner Familie kommt aus Ungarn.

Du unterrichtest Englisch. Wie hast du dein TEFL-Zertifikat erworben?
Nachdem meine Mutter ihre Stelle als Übersetzerin bei der BBC (British Broadcasting Corporation) verloren hat, wollte sie Helferin in einer Schule werden. Sie hat ein ähnliches Zertifikat gemacht. Bevor ich 2013 nach Deutschland gekommen bin, hatte meine Mutter die Idee, dass ich auch ein Zertifikat machen könnte. Ich wollte nach meiner Schulzeit immer etwas zurückgeben. So habe ich mein TEFL Zertifikat erworben.

Hast du den Kurs online oder Vor-Ort absolviert?
Beides. Es waren 3 Tage in einem Hotel in London und auch Teile, die man Online machen musste.
Diese Teile waren hauptsächlich Grammatik Aufgaben – oder wie man z.B. einen Unterricht für ein bestimmtes Niveau oder Altersgruppen vorbereitet.
Wir waren ungefähr 10-12 in einer Klasse und ich war der beste in meiner Gruppe.

Klingt spannend.
Du bietest Online- und Offline-Unterricht an.
Welcher Kurs macht dir persönlich am meisten Spaß?
Face to face. Du lernst die Person viel besser kennen. Onlinekurse werden aber öfter von Firmen und Privatkunden bevorzugt. Es spart denen viel Geld und Zeit, was heutzutage wichtig ist. Pro Woche fahre ich, glaub ich, mindestens 5-10 Stunden, nur um meinen Unterricht durchzuführen. Ich bin, normalerweise, kurz vor 7 aus dem Haus und komme, wenn ich Glück hab vor der Schlafenszeit meiner Kinder und wenn nicht, dann ab und zu wenn sie schon im Bett sind, wieder nach Hause.

Für mich, mag ich lieber die altmodischen Sachen: Face to face Unterricht, Flip Chart oder weiße Tafel. Ich komme nicht klar mit der ganzen Technologie, die heute alles existiert.

Interessant. Wie schaffst du es Arbeit und Familie zu vereinbaren?
Es ist schwierig beides unter einen Hut zu bringen. Viele meiner Unterrichtsstunden sind am Nachmittag/Abend wenn die Kinder von der Tagesmutter bzw. vom Kindergarten zu Hause sind. Ich versuche meinen Großen morgens in den Kindergarten zu bringen und mir am Wochenende viel Zeit zu nehmen.
An den Wochenenden arbeite ich nur selten.

Wachsen eure Kinder bilingual auf?
Sogar Trilingual. Wir sprechen zu Hause Deutsch und Englisch. Außerdem versuchen wir den Kindern auch etwas Ungarisch beizubringen. Meine Eltern leben dort und wir besuchen sie mindestens einmal im Jahr für einen längeren Zeitraum. Aber sie können bisher nur wenig.

Im welchem Alter lernen Kinder Sprachen gut und gibt es hierbei etwas zu beachten?
Es gibt einige Studien die meine Erfahrungen belegen, dass Kinder bis zur Pubertät Sprachen am einfachsten lernen. Für sie geschieht das fast nebenbei. Im Alter zwischen 2 und der Pubertät ist die sogenannte “critical periode” zum Erlernen von Sprachen.
Die gilt übrigens auch für die Muttersprache. Jeder der selbst Kinder hat oder welche im Umfeld hat, kann dies sicher bestätigen.
Meine “Großen” (2 und 4 Jahre) können bereits gut zwischen Deutsch und Englisch unterscheiden (sowohl beim Hören als auch mehr und mehr beim Sprechen).

Wie kann ich mir das vorstellen? Welche Sprache wird zu Hause am meisten gesprochen?
Ich spreche zu Hause die meiste Zeit Englisch, während meine Frau mit den Kindern auf Deutsch spricht. Allerdings ist Deutsch wirklich die dominierende Sprache, da wir in Deutschland wohnen und bei der Tagesmutter sowie in den KiGa Deutsch gesprochen wird.
Ich versuche die Kinder immer wieder dazu zu motivieren mir auch auf Englisch zu antworten, zum Teil machen sie das auch schon automatisch.
Ungarisch sprechen wir wenig, wir haben viele Bücher und auch DVDs, aber da sie es nicht wirklich verstehen finden sie es nicht so interessant.

Habt ihr schon immer mit den Kindern in Deutschland gewohnt?
Ja, alle drei sind in Deutschland geboren.

Fällt dir etwas in der deutschen Sprache besonders schwer oder leicht?
Obwohl ich Deutsch seit der 7. Klasse gelernt und danach an der Uni studiert habe, finde ich es schwierig den korrekten Artikel zu benutzen: „der, die, das“ ist was ich meine. Aus diesem Grund spreche ich lieber mit Kunden oder Familie anstatt ihnen Emails zu schreiben.
Am Telefon sprechen, natürlich.

Woran musstest du dich in Deutschland gewöhnen?
Gab es etwas, dass du überhaupt nicht kanntest?
Das ist eine gute Frage. Ich war schon einige Mal hier in Deutschland. Schon in der 7. Klasse sind wir für 10 Tage nach Rheinland-Pfalz gefahren. Das war meine erste große Erfahrung in Deutschland ohne meine Eltern. Es war schwierig, weil ich keine Freunde hatte, aber ein Junge, der später mein bester Mann bei meiner Hochzeit war, hat mich gut behandelt. Es hat mir geholfen viel über mich selbst zu lernen. Diese Erfahrung hat mir viel über Deutschland gezeigt. Ich war danach als Austauschschüler in der 8. Klasse in D’land und später im Gymnasium. Es hat mich ein bisschen darauf vorbereitet, ABER man ist nicht auf die alltäglichen Sachen vorbereitet, die man erledigen muss, wie z.B.: Sich zum ersten Mal beim Einwohnermeldeamt zu melden, oder einen passenden Job zu finden. Das hat länger gedauert und es war eine schwierige Zeit.
Bestimmt gibt es noch etwas, dass ich nicht kannte, aber es fällt mir gerade nichts ein.

Nun noch einmal zu deinen Kursen. Für wen sind sie geeignet?
Natürlich ist die Nachhilfe für Schüler geeignet. Angebote wie Themenabende sind für Leute geeignet, die ein Interesse haben, über besondere Themen zu sprechen. Im Februar werden wir über Britain sprechen und was es heißt, britisch zu werden.
Ich habe letzte Woche einen Spielabend und Spielnachmittag organisiert, wo wir einfach Englisch gesprochen haben, während wir Brettspiele spielten. Es ist eine angenehme Runde in der man Englisch sprechen kann, ohne Angst zu haben.
Ich habe verschiedene Zielgruppen: Geschäftsleute, Eltern, die gerade in Elternzeit sind und Schüler, die den Abschluss machen.
Also sind sie generell für jeden geeignet.

Magst du den Lesern noch etwas zum Abschluss sagen?
Ich möchte allen Lesern mit auf den Weg geben, keine Angst vor etwas neuem zu haben. Man kann in jedem Alter eine Sprache erlernen und diese öffnet die Tür zu mehr Weltoffenheit und Verständnis für andere Kulturen.
Ich bin glücklich dies als Kind erlebt zu haben und jetzt auch meinen Kindern (und Schülern) weitergeben zu können!

Vielen Dank für das nette Interview und die offenen Antworten.
Es hat mich sehr gefreut.

Lieben Gruß
Angelika